Die Historische Kommission trauert um Prof. Dr. Günter Benser (1931-2025)
Zwei Monate nach seinem 94. Geburtstag verstarb am 27. März 2025 der Historiker Günter Benser. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Historischen Kommission der PDS, die sich im Juni 1990 aufmachten, in kritischer und selbstkritischer Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte einen Beitrag zur Erneuerung der Partei zu leisten und Mitglieder und Sympathisanten für ein demokratisches Geschichtsbild und für Meinungspluralismus zu sensibilisieren. Dafür leistete er mit zahlreichen Publikationen einen beispielgebenden Anteil. Der Kommission blieb er bis 2017 als Mitglied verbunden.
In den bewegenden Monaten des Herbstes 1989 gehörte Günter Benser zu dem kleinen Kreis von Gesellschaftswissenschaftlern, die nach einer ersten Antwort auf die Frage nach den Ursachen der tiefen Krise der DDR-Gesellschaft und der Verantwortung der SED suchten und die Vorlage für die kritische Bilanz des Außerordentlichen Parteitages der SED im Dezember lieferten. In den Auseinandersetzungen um das Schicksal des Zentralen Parteiarchivs der SED stand er auf der Seite derjenigen, die für einen politisch und wissenschaftlich tragfähigen Kompromiss eintraten und schließlich mit der Gründung der unselbständigen Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv Gehör fanden. Im dortigen Kuratorium vertrat er viele Jahre die PDS und ihre Nachfolger. Er gehörte außerdem zu den Initiatoren des Förderkreises Archive und Bibliotheken zur Geschichte der Arbeiterbewegung, dessen Vorsitz er zwischen 1992 und 2011 innehatte. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung ernannte ihn zum Ehrenmitglied.
Günter Benser hatte nach dem Besuch der ABF in Leipzig Geschichte studiert. Seit 1954 war er am Institut für Marxismus-Leninismus in Berlin beschäftigt, zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter und später als stellvertretender Abteilungsleiter und Professor für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung. Im Herbst 1989 wählten ihn die Mitarbeiter zu ihrem Direktor. Dem aus dem IML hervorgegangenen Institut für Geschichte der Arbeiterbewegung blieb ein Erfolg versagt. Die Treuhand beendet das Experiment 1992.
Die marxistische Geschichtswissenschaft verliert einen sachkundigen wie streitbaren sowie außerordentlich produktiven Wissenschaftler.
Jürgen Hofmann